Friedrich Schiedel-Preis für Politik und Technik 2019 geht an Prof. Henry Farrell

Friedrich Schiedel-Preis für Politik und Technik 2019 geht an Prof. Henry Farrell

Der zum zweiten Mal vergebene „Friedrich Schiedel-Preis für Politik und Technik“ geht am 2. Dezember 2019 im Rahmen des traditionellen TUM Awards Dinners an Prof. Henry Farrell, Politikwissenschaftler an der Elliott School of International Affairs der George Washington UniversityDamit würdigt die Jury Farrells relevante und vielbeachtete Forschungsarbeiten zur Politik im Internet. Der Preis ist mit einem mehrwöchigen Gastaufenthalt an der TUM School of Governance verbunden.

Zum Auftakt seiner Gasttätigkeit in München hält Prof. Farrell am 5. Dezember 2019 im Rahmen der Reihe „Munich Talks“  einen Vortrag zum Thema „Weaponized  Interdependence„: Wirtschaftliche Abhändigkeit als politische Waffe. Prof. Henry Farrell gehört zu einer neuen Generation von Politikwissenschaftlern, die Theorien entwickeln, um die politischen Folgen des schnellen technologischen Wandels zu verstehen. Große Beachtung fand seine Studie „Weaponized Interdependece“ (veröffentlicht gemeinsam mit Abraham L. Newman). Sie zeigt, wie mächtige Staaten die Abhängigkeit anderer Staaten von Technologien oder anderen Produkten in politischen Konflikten ausnutzen. Ein Beispiel ist das Verbot der US-Regierung für amerikanische Unternehmen, Kommunikationstechnologie mit ausländischen Firmen zu handeln, die als nationales Sicherheitsrisiko eingestuft werden, was auf chinesische Unternehmen zielte. Anders als lange angenommen, schmälern die Netzwerke der Globalisierung die Stärke des Staates nicht zwingend, so Farrells Theorie. Stattdessen nehmen Staaten über die Verknüpfungen in diesen Netzwerken wie auch über den Einsatz von wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeiten als politische Waffe gezielt Einfluss.

Henry Farrells Forschungsschwerpunkte sind die Politik des Internets, Fragen der Demokratie sowie internationale und vergleichende politische Ökonomie. Er ist seit 2017 Professor für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der George Washington University. Zuvor war er Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn und Assistant Professor an der Universität Toronto. Er studierte Politikwissenschaft sowie Deutschland- und Europastudien in Dublin und Washington. Neben wissenschaftlichen Publikationen schreibt Farrell auch regelmäßig für große US-amerikanische und britische Zeitungen und liefert so wichtige Beiträge im gesellschaftlichen Diskurs.

Der Friedrich Schiedel-Preis für Politik und Technik“ ist mit 30.000 Euro dotiert und wird im Jahresturnus verliehen. Die Auszeichnung ehrt herausragende Persönlichkeiten, die dazu beigetragen haben, das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Politik, Gesellschaft und Technik zu vertiefen.
Die erste Preisträgerin war 2018 Prof. Helen Margetts von der Oxford University und Direktorin des Public Policty Programm am Londoner Alan Turing Institut.